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Floßfahrt

Floßfahrt auf der Alten Oder

Rollstuhlfahrer als Urlauber entdeckt

Foto: Steffen Göttmann MOZ

(moz-sg/bsk-pr) Heiko Keller (42) aus Leipzig will in einem Jahr direkt an der Alten Oder in Bralitz ein Abenteuercamp für Behinderte eröffnen. Mit zu dem Angebot gehört ein Floß, das er gestern mit Hilfe eines Kranwagens zu Wasser ließ. Der Unternehmer hat zu diesem Zweck ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Imper-Handels erworben. Das Touristenfloß, das zwischen dem Bad Freienwalder Bollwerk und dem Anlegeplatz in Bralitz verkehren darf, kann schon in wenigen Wochen von Gruppen gebucht werden.

"Wir werden keinen Linienbetrieb aufnehmen, sondern fahren nach Bestellung", sagte Heiko Keller, Geschäftsführer von Odertours - Abenteuercamp. Das Floß hat er nach eigenen Plänen in einem Kuhstall bei Leipzig aufgebaut und verzinkt. Es basiert auf einem Metallrahmen, der auf Pontons montiert wurde. Danach montierte er es wieder auseinander, transportierte die Teile nach Bralitz und baute es auf dem Trockenen wieder auf. Die Aufbauten erhält es in den nächsten Wochen. Es soll 36 Personen auf Bänken Platz bieten. Das mit bunten Wimpeln verzierte Floß ist 16 Meter lang, 4,20 Meter breit und hat 40 Zentimeter Tiefgang.

Keller sprang gestern lautstark jubelnd vor Freude in die Luft, als das Floß endlich Wasser unter den Pontons hatte. Zuerst gab es noch einige bange Minuten, ob die Konstruktion halten würde. Denn am Haken bog es sich zunächst wie ein Banane durch. Mit dem Floß soll das Unternehmen allmählich Fahrt aufnehmen. "Wir müssen jetzt anfangen, Geld zu verdienen", erklärt Keller. Sein Mitarbeiter Swibert Scholz ist nach eigenen Angaben auf allen Weltmeeren gesegelt und verfügt ebenso wie der Chef selbst über einen Floßführerschein. Langweilig sei das Floßfahren keineswegs. "Man fährt durch eine schöne Landschaft", sagt er, das sei allemal interessanter, als Wochen lang nur Wasser rundherum zu erleben. Das Floß werde mit einem modernen Verbrennungsmotor betrieben, so Keller.

"Wir arbeiten seit vier Jahren an dem Projekt", sagte der Geschäftsführer. Schließlich benötigte er zahlreiche Genehmigungen, unter anderem, um eine Anlegestelle zu bauen, die Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin liegt. Auch die Genehmigung, über den Landgraben schippern zu dürfen, dauerte eine Weile. "Dabei vergessen die Behörden, dass wir unser Grundstück auf eigene Kosten vom Müll geräumt und entsiegelt haben", so Keller. Auf den Betonplatten, die das Gelände befestigen, lagerten 6000 alte Autoreifen, türmte sich der Müll. Inzwischen ist alles aufgeräumt.

Die Betonplatten ließ er zu einem Wall aufschütten, der die Grenze zur benachbarten Kleingartenkolonie markiert. Die Kleingärtner hätten sein Vorhaben skeptisch bewertet. Mit dem Wall soll einem Nachbarschaftstreit der Boden entzogen werden. Mit einem Teil der Platten wurde gestern noch eine Slipanlage gebaut, um Boote zu Wasser zu lassen.

In Tipis, Zelten und Hütten sollen künftig zwei Schulklassen gleichzeitig dort ihre Ferien verbringen können. Als Schlechtwettervariante dienen Container. Auch Individualtouristen, die beispielsweise mit dem Fahrrad die Tour Brandenburg entlang radeln, sollen im Abenteuercamp rasten können. Der Schwerpunkt liege auf Rollstuhlfahrern und anderweitig behinderten Menschen. Die gesamte Anlage wie auch der Zustieg zum Floß sollen barrierefrei sein.

In 14 Tagen werden die Boote geliefert, darunter Kajaks mit Ausleger für Behinderte. "Es gibt Rollstuhlfahrer, die tauchen", erklärt Keller. Mit dem Abenteuercamp, das sich als europäische Variante der kanadischen Wildnisschulen versteht, sieht der Leipziger eine Marktnische für sich. Insgesamt 340 000 Euro investiert er und will fünf Arbeitsplätze schaffen.

Bisher habe er seine Brötchen bei einem EU-Projekt in Leipzig verdient, das aber ausgelaufen sei. "Ich bin ein Fädenzieher und bringe Menschen zusammen", beschreibt der Sachse seine Fähigkeiten. Bisher pendelt er zwischen Leipzig und Bralitz. Dies soll sich bald ändern. In einer ehemalige Kieswaschanlage auf dem künftigen Camp-Gelände werden im Erdgeschoss Toilettenanlagen und ein Büro eingerichtet. Den ersten Stock behält sich der Chef als Wohnung vor, mit Blick auf die Alte Oder.

Kontakt im Internet:www.odertours.com

Artikel aus der Märkischen Oderzeitung vom 30.05.2008)