Jugendarbeit an der Basis - Beispiel BSK-Bereich Mittelmosel

Jugendarbeit an der Basis - die Jugendgruppe des BSK - Bereich Mittelmosel

Anita Reichert berichtet

Frau Reichert ist Erste Vorsitzende des BSK-Bereichs Mittelmosel. Seit 1998 existiert beim Bereich eine gut funktionierende Gruppe junger Menschen. Anfangs waren nur 1-2 Jüngere Mitglied im Bereich Mittelmosel, die Sie von ihrem Vorgänger übernommen hat. Denkanstoß, im Jugendbereich aktiv zu werden war für Frau Reichert die Studie der Organisation "Neues Handeln" über den BSK. Dort wurde ganz klar gefordert, dass der BSK mehr junge Mitglieder aktivieren und werben muss.

Direkter Kontakt

Zuerst wurden überall, wo es Wartestühle gibt, BSK-Zeitungen (LEBEN & WEG) ausgelegt, d.h. bei Behörden, Rehaeinrichtungen, Ärzten usw. Wichtig ist vor allem die gezielte und direkte Kontaktaufnahme mit jungen Menschen indem man sie anspricht und z.B. einlädt zu einem Schnupperbesuch in die Geschäftsstelle bzw. Selbsthilfegruppe. "Ich muss aufzeigen können, warum die Jugendlichen gerade beim BSK mitmachen sollen. Ich muss zeigen können: Beim BSK bewegt sich was, hier werden Ideen umgesetzt, Probleme angepackt und wir haben auch Erfolg dabei. Man kann bei uns Kontakte knüpfen zu Gleichgesinnten und es wird auch konkrete Hilfe vor Ort geleistet. Ich muss die jungen Menschen neugierig machen auf den BSK", so Frau Reichert. Selbstbestimmt Leben ist ein wichtiger Bestandteil unserer Verbandsphilosophie - das ist unser Thema, das ist auch für junge Menschen interessant. Man muss es nur richtig verkaufen können" und z.B. in konkreten Projekten vor Ort umsetzen.

Viele Kontakte zu Jugendlichen ergaben sich auch durch die Zusammenarbeit mit der lokalen "Aktion 16", einer Organisation, die sich um die Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für behinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt bemühte. Durch das Beratungsangebot wurde der BSK Mittelmosel immer bekannter, das Angebot fand großen Zuspruch. Die dadurch entstandenen Kontakte nutzte Frau Reichert bei der Gründung der Jugendgruppe, indem sie alle potenziellen Mitglieder anrief. "Man muss manchmal schon etwas hartnäckig sein und öfter anrufen oder einfach mal persönlich vorbeischauen. Hat man sie überzeugt, wenigstens einmal vorbeizuschauen, ist schon viel gewonnen", so Frau Reichert.

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Was wollt Ihr?

Wichtig ist, die Jugendlichen direkt nach ihren Wünschen, Bedürfnissen usw. zu fragen: "Was wollt Ihr? Formuliert Eure Bedürfnisse und wir versuchen gemeinsam, diese durchzusetzen". Ein Beispiel: In Gesprächen stellte sich heraus, dass es im Ortskern eine Behindertentoilette gab - allerdings ohne Euro-Schlüssel. Daher musste immer den Besitzer nach dem Schlüssel gefragt werden. Da dies die einzige öffentliche barrierefreie Toilette war, waren abendliche Besuche in der Stadt (incl. Gastronomie usw.) nur bis 20.00 Uhr möglich. Das ist ein Thema, das zwar für alle, aber insbesondere für Jugendliche interessant ist. Also wurde gemeinsam eine Strategie entwickelt, diesen Missstand zu beseitigen. Dabei wurden alle Vorschläge der Jugendlichen angehört und teilweise auch umgesetzt. Mit gezielten Aktionen und unter Einsatz der Presse erreichte die Gruppe, dass die Toilette mit einem Euro-Schloss ausgestattet wurde. Auch in anderen Fällen, (z.B. Führerschein, Arbeitsplatz usw.) konnten positive Ergebnisse erzielt werden. Zum "Programm der Jugendgruppe gehören auch gemeinsame sportliche Aktivitäten, gemeinsame Treffen, Beteiligung an sozialpolitischen Aktionen.

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Nachbearbeitung

Wichtig ist auch die Nachbearbeitung, z.B. nach einem Treffen. Das heißt: anrufen, fragen "wie hat es Dir gefallen, was war gut, was war schlecht, was muss sich ändern, dass es auch Dir gefällt? Ist der Kontakt erst einmal hergestellt und war der Jugendliche schon in den Geschäftsräumen ist viel gewonnen. Wer einmal da war kommt wieder und wenn nicht - nachfragen! Durch die Mundpropaganda ist die Gruppe mittlerweile etabliert und hat regen Zulauf.

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Erfolge

Wichtig dabei war vor allem das Wir-Gefühl: Wir ziehen alle an einem Strang, gemeinsam sind wir stark. Die jungen Menschen hatten das Gefühl, gemeinsam etwas erreichen zu können - zum Wohle aller, aber auch zum unmittelbar eigenen Vorteil. Außerdem wirken sich solche Aktionen oft positiv auf das Selbstbewusstsein und das Ansehen der Mitglieder aus. So steigt z.B. durch die Presseresonanz der Bekanntheitsgrad der Beteiligten. So sagte ein Mitglied: "Mensch, Anita, ich traue mir jetzt viel mehr zu wie früher, die Leute fragen nach mir, ich bin jetzt wer." Mittlerweile hat das Ganze eine gewisse Eigendynamik entwickelt: die Jugendgruppe geht viele Probleme eigenständig an. So wurden Beherbergungsbetriebe in der Umgebung mittels eigener entworfener Fragebögen auf ihre Barrierefreiheit untersucht und erfasst. Frank untersuchte seine Fachhochschule unter Beteiligung von Presse und Fernsehen ebenfalls auf Barrieren. Gisela ist übrigens mittlerweile zweite Vorsitzende des BSK-Bereichs Mittelmosel…

Michael Pinter

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